25. August 2008
Am nächsten Donnerstag beginnt die nächste Staffel Popstars: Unter dem Titel „Just 4 Girls“ ist klar, wohin die Reise geht: Neue Mädchen werden gesucht. Eigentlich logisch, wenn man einen Blick in die Vergangenheit dieses Formates zurückblickt: Die einzig wirklich überlebenden sind die zwei Mädchenbands – Monrose und die No Angels.
Erinnern wir uns: 2000 brachte RTL2 uns ein völlig neues Konzept. Von der Kamera begleitet durften sich Mädchen, die der Meinung waren, sie könnten singen und tanzen einer Jury stellen, um am Ende in einer Popband zu landen. Mit Plattenvertrag, Videodreh und allem, was dazu gehört.
Die Kamera begleitete dabei erst die Castings in verschiedenen Städten und später die, die die ersten Casting-Runden überstanden hatten bei der wöchentlichen Weiterbildung in Sachen Popstartum. Schon früh fiel dabei ein Tanz-Coach auf, der später zum einzig fixen Punkt im schnelllebigen Popstars-Geschäft werden sollte: Detlef D! Soost.
Die 5 Gewinner – die No Angels – wurden damals noch im Jeans-Laden oder zu Hause auf der Couch mit der frohen Nachricht vom neuen Leben überrascht. Schnellstmöglich wurde die Single „Daylight in your eyes” produziert und ein Video gedreht. Und das Konzept ging auf: die Single und auch das schnell nachgeschobene Album verkaufte sich wie das berühmte geschnittene Brot.
Und während Deutschland erstaunt zusah, dass die entstandene Girlband ja wirklich singen konnte und einen Hit nach dem anderen landete wurde schnell die nächste Staffel produziert. Der schwitzende, weinende, brüllende – kurz: sehr kamerawirksame – Tanztrainer D! saß jetzt in der Jury. Außerdem durften diesmal auch die Jungs mitspielen – eine Band von Brüdern und Schwestern sollte es sein. Bro’Sis war der etwas seltsame Name aber der scheinbar programmierte Erfolg stellte sich trotzdem sofort mit der Single „I believe” ein. Nicht ganz so nachhaltig wie bei den Vorgängern, aber trotzdem sicher genug, dass ProSieben das Format aufkaufte, um sich den nächsten Staffeln widmen zu können.
Parallel schossen auch auf den anderen Sendern die Casting-Formate aus dem Boden: Da wurden Superstars, Opernsänger oder Supertalente nur so gesucht. Aber: Länger erfolgreich war eigentlich nur noch RTL mit seiner Suche nach dem Superstar – und da ist Jurymitglied Dieter Bohlen mit seinen deutlichen Worten sicher eher verantwortlich als die Fähigkeiten eines Alexander Klaws (Ach ja), einer Elli (wer? Ach die …) oder anderer Sieger, deren Namen lange vergessen sind.
Auch die nächsten Popstars-Bands starben immer schneller sofort nach der ersten Single, immer schneller war das Fernsehformat wichtiger als das Endprodukt und von Bands wie Overground, Preluders oder Nu Pagadi sind nur noch einzelne im Gespräch, die sich als Dschungelkandidat , treusorgender Model-Ehemann oder Vorabend-Soap Darstellerin in der Öffentlichkeit halten.
Folgerichtig machte ProSieben machte als erst mal ein Jahr Pause, bevor 2006 wieder nach neuen Popstars gesucht wurde. Auch damals war der Plan bereist im Namen festgeschrieben: Unter dem Titel „Neue Engel braucht das Land“ suchte man ganz also offiziell die Nachfolger der No Angels. Die hatten sich nämlich mit drei Jahren Dauerstress krankgetourt und sich Ende 2003 erst einmal aufgelöst.
Die Suche nach neuen Engeln wurde dann auch zum vollen Erfolg – rückblickend kann man sagen, dass wahrscheinlich in dieser Staffel die perfekteste Kombination aus Jurymitgliedern, Teilnehmerinnen und Bandkonzept aufeinandertraf.
In der Jury immer noch der altbekannte Detlef Soost, der emotional wie immer die Mädchen nach vorne trieb, der Fachmann Dieter Falk, dem man ohne Probleme abnehmen konnte, dass er auf der Suche nach wahren Künstlern war und die abgedrehte Nina Hagen, die zwischendurch als Mama der Kompanie mit den Kandidatinnen auch schon einmal zum Berge-anschreien nach draußen ging, um danach die Göttinnen der Natur anzurufen.
Dazu interessante Kandidatinnen, die man vom ersten Ton an sicher in der Band glaubte und andere, die mit echter Persönlichkeit der Staffel wirklich Profil gaben.
Und obwohl sich die No Angels nur knappe vier Wochen nach dem ersten Auftritt der neuen Band „Monrose“ wieder zusammen fanden erfüllten die drei Sängerinnen Mandy, Bahar und Senna alle Erwartungen und können jetzt zur siebten Staffel den Titelsong Album besteuern – und ihr bereits drittes Album veröffentlichen.
So viel Erfolg war ihren Nachfolgern „Room 2012“ nämlich leider nicht gegönnt: Nach einer gefühlt ewigen Staffel – ProSieben hatte die Anzahl der Folgen knapp verdoppelt – und einem verwirrenden Konzept in dem Tänzer und Sänger gesucht wurden und in dem man sich nachqualifizieren und auch nach einem Rausschmiss wieder kommen konnte schaffte die neue Band als erstes den traurigen Rekord, nicht wenigstens mit der Debut-Single einen Nummer-Eins-Hit zu landen.
Und ab Donnerstag nun also Popstars 7 „Just 4 Girls“. Die Besetzung der neuen Jury verspricht erst einmal interessant zu werden: Mit dem Bürgerschreck Sido und der Sommerhit-Sängerin Loona sind zwei neue Gesichter dabei, die unterhaltsame Castings und spannende Workshops erwarten lassen. Wünschen wir den Mädchen, die sich bei den Castings im Sommer durchgesetzt haben, dass sie viel Erfolg haben.
(Bilder von proteusbcn unter CC-Lizenz, Wikimedia Commons unter CC-Lizenz, Michael Zimmermann unter GFDK, Tomasz Sienicki unter GNU Free Documentation license & Cascari unter GNU Free Documentation license)
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